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The Lost Rivers Interview

The Lost Rivers - Der neue Stern am Northern Star Records Himmel. So könnte man wohl den aktuellen Status der Band aus Baden-Württemberg am ehesten beschreiben, wenn man den Stolz, mit dem das Label das Erscheinen des ersten Longplayers Sin and Lostness (kommt am 26.03.12 heraus) des lauten Trios promotet, richtig interpretiert. Und zurecht, hauen einen Phil Wolkendorf (Gesang, Gitarre), Hell Pilot (Bass) und Izzy (Schlagzeug) einen mit ihrem verzerrten aber doch melodiösem Wumms, der Bands die für halbherzige Vergleich aus der Mottenkiste gezaubert werden vor Neid erblassen lassen, von den Socken. Was die drei sympathischen Noiseliebhaber über ihre EP My Beatific Vision, ihr anstehendes Album und ihr Dasein als Band mit Ecken und Kanten zu erzählen haben, lest ihr hier:Okay, ich glaube die erste Frage kann ich auswendig: Wie kam es zu eurem Bandnamen The Lost Rivers? Soll der irgendetwas Besonders bedeuten oder wurdet ihr durch etwas Besonderes dazu inspiriert?(Getuschel innerhalb der Band, ‚Ist er dir eingefallen?’, ‚Hm, nee, ist der nicht dir eingefallen?’)Phil: Hm, irgendwann ist der mir einfach mal eingefallen. Blöde Antwort, gell?Hm, nö.(Gelächter.)Phil: Keine Ahnung. Wir haben davor schon in anderen Bands zusammen gespielt und irgendwann haben wir uns entschieden die Musik zu machen, die wir jetzt machen. Haben dann einen Bandnamen gesucht und irgendwie fanden wir auch den Klang gut. Ich mein, alles andere was ich jetzt sagen würde, wäre gelogen…(Gelächter.)Phil: Einfach der Klang. Und nicht zu lang, nicht zu kurz.Und jetzt hast du gerade schon gesagt, ihr habt vorher schon in anderen Bands gespielt… Wie kam es zu eurer jetzigen Konstellation?Phil: Wir machen schon seit 2000 Musik zusammen. Wir hatten früher eine kleine Punkrock-Band, so Punkrock à la Sexpistols, Dead Boys und danach sind wir so ins… Groovigere abgedriftet, so leicht bluesig angehaucht auch… Ich hatte dann nebenher auch noch eine andere Band, mit anderen Kumpels, bloß ist die Band dann auseinander gebrochen und irgendwann haben wir dann gedacht „Lasst uns doch einfach die Musik machen, die wir schon immer gut gefunden haben!“Und dann haben wir gesagt „Gut, lasst uns die Lost Rivers gründen!“ und wir hatten dann Sachen aus der Punkrock-Band auch dabei. Also, du kannst auf jeden Fall die Einflüsse davon hören, dass auf jeden Fall zum Teil noch Punkrock dabei ist, dass wir aus dem Punkrock kommen.Aber auf der anderen Seite stehen wir auch total auf Britpop. Ich liebe Oasis zum Beispiel.Ich bin auch gaaanz großer Oasis-Fan. Eine meiner beiden Lieblingsbands.(Gelächter.)HP: Eine ganz großartige Band, ja.Phil: Ich würde auch sagen, dass Oasis eine meiner Lieblingsbands ist.Ja!Phil: Dann haben wir natürlich die Noise Sachen schon immer gern gehabt, das haben wir auch in der Punkrock-Band gehabt, dass es immer gerne laut und extrem war. Und das Extreme haben wir einfach mitgenommen in die Lost Rivers und sind auch, was man vielleicht nicht so hört, sehr von britischer Musik beeinflusst, grade Oasis, auch von poppigen Sachen, und das verbinden wir eben dadurch… man hört das extrem Noisige und Krachige und Abgefuckte vom Punkrock, aber es sind auch Melodien drunter. Würdest du die Gitarre auf Akustikgitarre mitspielen, hättest du einen Popsong.Der Schritt von der Punkrock-Band weg eben zu der Musik war, dass wir gesagt haben „Hey, wir wollen aber ein bisschen mehr Pop drin haben“, weil uns das schon immer gefallen hat, wir wollten einfach alles, was wir gern gehört haben und was wir gern gemacht haben, auch auf der Bühne machen.Wo wir jetzt gerade von dem Lauten reden: Wie kriegt ihr drei Leutchen so eine Wand hin? Ich sitze da immer und denke „Wooaaah, das sind nur drei Leute und es klingt als wenn da zehn auf ihren Gitarren rumhämmern würden.“ Wie kriegt ihr das hin?Phil: Ja, danke erstmal! Ziel erreicht. (lacht)HP: Ich denke auch. Da stecken aber auch ganz viele Gedanken dahinter, wir machen uns sehr viele Gedanken über unseren Sound. Ja, es ist echt super, dass es Leute auch merken. (lacht)Phil: Ja, wir setzen uns dann da hin mit unseren Gitarren und haben eine Ladung Effekte und gucken, was können wir aus denen rausholen, dass es eben so rüberkommt. Also das heißt wir hauen nicht einfach ein paar Verzerrer an und ein paar Delays und ein paar Reverbs, das ist halt schon durchdacht. Wenn du zu viel machst, klingt das auch sehr schnell…HP: … matschig, genau.Phil: Also wir machen uns da schon Gedanken. Wir gucken auch, dass das Schlagzeug gut klingt, was oft vernachlässigt wird von Bands. Wir haben Effekte auf dem Schlagzeug drauf, wir haben Effekte auf dem Bass drauf, wir haben Effekte auf den Vocals drauf, wir haben Effekte auf der Gitarre drauf.Habt ihr dann da so eine Liste liegen und hakt dann alles ab?Phil: (lacht) Nee, viel Üben… Und so versuchen wir das hinzukriegen, ja.Jetzt habt ihr ja gerade eure EP „My Beatific Vision“ bei Northern Star Records draußen. Und der erste Song heißt ja „Death of Eve“. Das ist schon so beides jetzt ein wenig religiös angehaucht.Phil: Japp.Bewusst? Unbewusst? Zufall? Oder habt ihr schon einen Ansatz, der in so eine Richtung geht, dass ihr so etwas auf jeden Fall thematisieren wollt?Phil: Es ist einfach so: wenn ich Songs schreibe setze ich mich mit verschiedenen Sachen auseinander und kriege meine Einflüsse von allen möglichen Sachen. Das ist jetzt kein religiöses Album, das ist kein religiöser Song, aber das sind einfach Sachen über die man sich so Gedanken macht. Keine Ahnung… Wir haben auch Songs über typische Sachen, wie Liebe, Herzschmerz, all die Sachen. Aber das ist jetzt nicht so, dass ich mich hinsetze und denke ich schreibe jetzt einen Song weil es mir gerade schlecht geht. Es kommt einfach alles zusammen und das wird dann zusammengemodelt.Death of Eve… Ich verstehe auf jeden Fall deine Frage, weil das hört sich ja schon sehr nach… Death of Eve… Eva… und der Song hört sich ja auch schon relativ apokalyptisch an. Wenn’s denn gegen Ende geht. Aber es wird jetzt nicht bewusst die religiöse Schiene gefahren. Das ist einfach die Welt, die einen beeinflusst…Teil des Lebens…Phil: Also wir gehen jetzt auch nicht in die Kirche jeden Sonntag… Es geht vielleicht da drum, dass man sich einfach auch mal damit auseinandersetzt, was andere Leute so beschäftigt.Izzy: So etwas beschäftigt jeden irgendwann einmal. Ob man jetzt einen Sinn sucht oder was auch immer.Also ohne dass ihr jetzt eine christliche Rockband seid, ne? Das wollte euch auch keiner unterstellen… Das war nicht mein Ansatz…(Gelächter.)Phil: Nee, nee, aber ich glaube das wäre gar nicht so schlecht, weil wir dann Geld verdienen würden!(Gelächter.)Und nicht die Faust vergessen!Phil: With aaarms wiiide ooopeeeeen!Jaaaa! Hättet ihr Lust, die EP mal so Track für Track durchzugehen und was dazu zu erzählen? Phil: Ja, können wir machen.Death of Eve hatten wir ja jetzt schon angesprochen. Worum geht’s überhaupt? Wie lässt sich das zusammenfassen?Phil: Also Death of Eve, da hat mich auf jeden Fall zum einen Teil beschäftigt, dass wir…da greife ich auf jeden Fall die Geschichte auf, dass Eva die Frucht gegessen hat und dadurch die Menschen aus dem Paradies verbannt wurden. Es geht darum: Hätte Eva die Frucht nicht gegessen, hätten wir dann jetzt ein nettes Leben alle? Würden wir nackt im Wald rumrennen?Na das wär ja langweilig…Phil: Ja, aber dann würde Langeweile ja gar nicht aufkommen. Denn das sind ja weltliche Gedanken. So was wie Langeweile, oder Hunger, oder Frust, oder „Ich muss aufs Klo!“, das sind ja alles weltliche Gedanken. Was wäre passiert, hätte Eva nicht diese Frucht nicht gegessen? Zum Beispiel, wenn sie davor gestorben wären. Oder so. Keine Ahnung, was wäre dann passiert? Ich setze mich halt damit auseinander. Ginge es uns besser oder war wäre passiert?Und dann fließen noch Sachen ein… Alltägliche Probleme. Die hätten wir dann wahrscheinlich nicht. Aber „Death of Eve“, „Death of Life“, würde das heißen... Ich meine, das richtige Leben findet ja auch außerhalb des Paradieses statt. Wenn wir einen paradiesischen Zustand hätten, würden wir überhaupt leben? Keine Ahnung. (lacht) Denk mal drüber nach.Sehr philosophisch… Okay. See Me Alive?Phil: See Me Alive... (denkt nach) Verlorenheit. Ja. Verlorenheit. Sich verloren fühlen.Ja, so Zeilen wie „I’d die just to see me alive again“…Phil: Ja, also, es geht ja… es geht wieder um mich. (lacht) Was würde man dafür tun, um sich wieder wie man selbst zu fühlen? Würde ich sogar dafür sterben, um wieder ich selbst zu sein?Too Soon?Phil: (denkt nach) Ach ja, da geht’s um ne Beziehung! Ich muss das gerade mal durchgehen, denn manche Songs spielen wir schon sehr lange, aber gerade See Me Alive und Too Soon haben wir schon seit bestimmt einem Jahr nicht mehr gespielt. Ich muss gerade den Text durchgehen, aber es ging um eine Beziehung, ja.Wann ist der richtige Punkt jemanden kennen zu lernen und zu sagen „Mit dir bleibe ich zusammen.“Wrong and Right?Phil: Es geht auch um… Ich meine „Don’t care what’s wrong and right as long as you’re here”... Die Welt könnte still stehen, es wäre mir scheißegal. Also so eine Scheißegal-Einstellung, Hauptsache es stimmt zwischen uns. Es könnte alles ineinander zusammenfallen, es wäre mir scheißegal. Weißt du, es ist schwer zu sagen „Darum geht’s.“ Vielleicht sind wir Bonnie & Clyde ein Stück oder so. (lacht)Bei Stay hatte ich ja das Gefühl, dass es um so eine Art Kosten-Nutzen-Relation in Beziehungen geht… So nach dem Motto „Lohnt sich das jetzt überhaupt?“Phil: Joa, du hast schon Recht. Es geht schon da drum, ja. „Für was bleibt man zusammen?“ Ja, es ist schon so ein bisschen „Was springt für mich dabei raus?“ (lacht)Ja, so, „Unterm Strich, was bringt das für mich überhaupt?“ Serenade?Phil: Serenade ist ja eigentlich eine Serenade, ist ja eigentlich genau das Gegenteil von dem, wie sich das Lied anhört. (lange Pause, dann lachend) Es geht eigentlich darum, wie man jemandem beim Leiden zuschaut. So „Ich spiele ein Lied für dich und schaue dir dabei beim Leiden zu.“Nett.Phil: Und das ist ja gerade eigentlich das Gegenteil von dem, was eine Serenade ausmacht. Man stellt sich darunter auf jeden Fall nicht so etwas vor und auch nicht den Text, vielleicht. Es ist so ein sadistisches Lied, ein bisschen. Es geht schon so leicht ins Sadistische. „Watch you shiver, I play a serenade for you“. Also jemandem beim Untergehen zusehen und...... ich mach dich feeeertiiiig! (Gelächter.)Phil: Ja nee, und so „Scheißegal, was mit dir passiert, ich mach hier mein Ding, mir geht’s gut.“Hat sie’s denn verdient?Phil: Wer hat’s nicht verdient? (lacht) Ich mein, sag mir mal jemanden, der immer gut ist.Jaaaa, gut, okay… Frage zurückgezogen. (Gelächter) Weiter geht’s: Endless Reminder? „All your money is useless when it all comes down in the end“.Phil: Endless Reminder ist so ein bisschen ein Denkzettel, glaube ich. Das ist auch so ein bisschen so ein Eifersuchts-Ding. „Was würde ich machen, wenn das mit uns passieren würde?“ „Ich hab dir gesagt ihn heute Abend nicht zu treffen“ und so. Und „All your money is useless“ bedeutet ja, „Wenn ich mit dir fertig bin, brauchst du dein Geld nicht mehr“. (lacht)Dann kannst du da auch nichts mehr mit anfangen…Phil: „When it all comes down in the end…“, ja, du wirst dein Geld nicht mehr brauchen, du wirst nichts mehr brauchen, wenn ich mit dir fertig bin. Es ist ein ziemlich eifersüchtiges Ding. Gegen Ende wird es härter, auf jeden Fall. Also mit Death of Eve fängt es ja schon ziemlich hart an, in dem es darum geht „Was wäre passiert wenn überhaupt nicht zustande gekommen wäre, dass die Welt wie wir sie kennen existiert?“, so fängt’s ja an. Und dann geht’s eben weiter mit dieser Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Beziehungen, nicht nur Liebesbeziehungen, wie Menschen miteinander leben. Und am Ende kommt mit Serenade und Endless Reminer relativ die Abrechnung.Der Knaller zum Schluss?Phil: Ja, auf jeden Fall. Also Endless Reminer ist glaube ich schon kein netter Song, auch nicht, was ich da über manche Leute sage. Ich sage jetzt nicht wen, aber es geht auf jeden Fall darum „Du brauchst das Geld nicht mehr, wenn ich mit dir fertig bin“, was nicht nett ist. Und dann letztendlich zu dem Punkt hin, dass alles zerstört wird. Vielleicht ist das unsere Beatific Vision… (Gelächter) Denk mal drüber nach!Woohoo, Konzept-EP?! (Gelächter)Phil: (lacht) Ja, gibt’s das?!Ja, klar, habt ihr jetzt gerade erfunden! Hört sich auf jeden Fall gut an, das schreibe ich! (Gelächter)Phil: Nein, es ist vielleicht auch wichtig zu sagen, dass ich mich am Anfang nicht hinsetze und mir sage „Ich schreib jetzt dies uns das“.Ja, das wäre jetzt die nächste Frage mehr oder weniger gewesen. Da habe ich auch gerade mit der Blue Angel Lounge schon drüber gesprochen, also ihr setzt euch nicht wie Nick Cave morgens im Anzug hin und fangt an zu arbeiten, das kommt mehr spontan, ne?Phil: Ja, also mein Songgeschreibe ist so, es passiert oft, dass ich irgendwie draußen rumlaufe oder irgendwie einfach zur Gitarre greife. Manchmal kommt nichts raus, manchmal kommt einfach was raus. Und der Text… das fällt mir dann irgendwie ein, halt. Also es ist nicht so, dass ich mich hinsetze, ich versuche auch, nicht länger für einen Song zu brauchen als zehn Minuten. Ich will nicht, dass es so verhirnt wird. Ich will dann nicht anfangen darüber nachzudenken „Ach nein, da muss noch die Idee hin, da muss noch das rein und das rein“ und die Girarrenparts, also was die Gitarre alles spielt, das dauert natürlich länger. Für die Platte setzen wir uns noch einmal ganz anders auseinander mit Songs. Aber wenn die Songs geschrieben werden, dann ist es so, mir fällt das ein, ich spiel’s auf Gitarre, ich schreibe einen Text zu. Ich versuche aber beim Textschreiben nicht wirklich über irgendwelche Sachen nachzudenken, das heißt es kommt einfach irgendwie raus. Also ich setze mich nicht hin und denke „Ach, ich hatte gerade diese schreckliche Beziehung…“„Und jetzt muss ich da noch eine Metapher einbringen und eine Alliteration!“Phil: Genau, „Der Song heißt ja Serenade, wie kann ich denn da diese Brücke schlagen?“ Also, ich setz mich hin, schreib einen Song runter, guck, verbessere ein paar Sachen, dass es besser zusammenpasst und wenn’s stimm, stimmt’s, wenn nicht, lass ich den Song halt weg.HP: Ich finde das macht aber auch die Stärke von den Songs aus. Ich finde, die sind vielschichtig, ohne dass man sagen kann der eine Song handelt von dem oder dem. Man muss das alles für sich eigentlich ummünzen, sonst ist es eigentlich ziemlich vielschichtig dadurch, dass es nicht so konkret ist. Ich finde auch die Stärke daran ist, dass das alles so spontan ist. Es lässt Freiräume und die Freiräume geben einem Platz zum Denken einfach. Und es gibt dadurch jedem einen ziemlichen Bezug zu den Songs. So geht’s mir auch. Ich denke mir bei den Songs zum Teil auch was anderes, als Philipp sich vielleicht was gedacht hat bei dem Song. Aber ich empfinde es einfach so und ich denke das ist eine Stärke der Songs, die Philipp schreibt.Phil: Ja, was ich gerade auch gemacht habe, das muss nicht jeder so sehen. Ich meine, das sehe ich jetzt gerade so, ich habe jetzt ziemlich lange gebraucht um mir die Songs jetzt so zusammen zu klamüsern, um was es geht, weil ich eben für mich das interpretiert habe. Aber da kann jetzt er daher kommen und mir eine andere Geschichte zu erzählen, da sage ich ja „Okay, mein Gott, in Ordnung“, weil ich nicht denke, „Da geht es darum, dass diese politischen Mächte am Werk sind und ich will aufdecken, dass so und so…“ Das ist nicht unser Ding. Bei uns ist sehr viel spontan und das merkst du auch an den Texten. Ich setz mich nicht hin und schreib drei Tage lang den Text, damit die und die Aussage rauskommt. Du musst die Leute nicht immer auf den Punkt schubsen, da müssen die selber drauf kommen.Es ist aber trotzdem schön, wenn man manchmal ein bisschen Hilfe kriegt.Phil: Haben die Leute ja jetzt. Meine Interpretation, viel Spaß! (lacht)Okay, und was ist das jetzt für ein Zusatzsong, den ihr noch mit rausbringt? Den kenn ich ja noch nicht…Phil: Der ist schon länger auf unserem Aufnahmegerät drauf. Scott [Causer, Northern Star Records] hat halt gemeint, dass es cool wäre, wenn wir noch einen Song hätten als Bonustrack für die CD. Wir haben überlegt „Sollen wir noch einen aufnehmen?“ und dann ist uns eingefallen, den Song, den haben wir schon ewig auf dem Gerät drauf. Wir fanden ihn immer geil, aber der hat irgendwie nie so reingepasst, dass wir gesagt hätten „Lass uns den doch als vierten Song auf unserer Platte, die bald rauskommt, benutzen!“ Der hat immer so ein bisschen für sich gestanden. Deswegen war es irgendwie eine logische Schlussfolgerung, entweder wir schmeißen ihn weg oder wir benutzen ihn als Bonustrack. Und als Scott gefragt hat, haben wir gedacht „Jaaa!“ Da haben wir ihn noch ein bisschen überarbeitet und jetzt passt’s.Schön.Phil: Er hat jetzt nicht reingepasst, weil er irgendwie schlecht war, sondern weil er vom Ablauf her, vom Fluss nicht reingepasst hat. Der hat irgendwie so ein Eigenleben, das hat es ein bisschen schwer gemacht den irgendwie unterzubringen.Jetzt würde mich noch interessieren: Wo habt ihr die EP denn aufgenommen? Wie überhaupt?Phil: Alleine im Proberaum.Echt? Och. (Gelächter)Phil: Nee, wir haben früher mit Produzenten zusammengearbeitet, haben viel Geld dafür ausgegeben, weil wir wollten, dass es gut wird. Was dabei herausgekommen ist, haben wir nie irgendjemandem gezeigt, haben es in ein Regal gestellt und da staubt es jetzt ein. Weil wir einfach nicht zufrieden damit sind. Wir haben da so viel Geld für ausgegeben und waren nicht zufrieden. Dann haben wir uns gedacht „Für das Geld können wir uns auch einen eigenen Recorder kaufen“. Das haben wir dann gemacht, haben den ins Studio gestellt, haben ein paar Mikros dazu gekauft und uns das alles selber beigebracht. Dann haben wir erstmal losgelegt, so wie wir das haben wollten. Bei My Beatific Vision ist das so eine ziemlich jungfräuliche Herangehensweise einer Aufnahme. Wir haben uns einfach hingehockt, das Zeug so laut gemacht wie’s ging und genau den Sound gemacht, den wir in der Zeit haben wollten.HP: Genau das haben wir zu dem Zeitpunkt auch gebraucht.Phil: Es war schon so ein bisschen extrem, all das abschütteln, was man uns immer aufgedrängt hat, wenn Produzenten dabei waren.HP: Ja, wenn der zum Beispiel gemeint hat, der schreibt seinen Namen nicht unter den Song.Phil: Ja, das haben wir zum Beispiel öfter gehört. (fiese Stimme) „Ich schreib da meinen Namen nicht drunter, wenn wir diesen Part behalten!“Okaaay… Wessen Musik ist es, um die es dabei geht? Hm?Phil: Ja, er hat gemeint das wirft kein gutes Licht auf sein Studio, wenn er da jetzt seinen Namen druntersetzt. Wir wollten es halt so machen, wie die EP klingt. Wir wollten, dass es so klingt, wir wollten, dass sie extrem klingt. Wir wollten keine „schöne Platte“ rausbringen, die man sich schön anhören kann und vor sich hinwippt. Wir wollten halt was Extremes. Wir wollten was Extremes rausbringen und da wollten die nicht mitkommen.Den ganzen Kram, den wir gemacht haben, die ganzen Noise-Sachen, die wir auch geil fanden, wollten die nicht nehmen.„Das ist doch zu laut!“Phil: Ja, „Das ist zu laut!“, „Das kommt nicht rüber!“, „Da schlägt mein Pegel dauernd aus!“ und so weiter. Da haben wir uns hingehockt und genau DAS gemacht. (Gelächter.)Jawoll! Mein Gott, das gibt’s ja nicht…Phil: Ja, und wenn’s auf der EP mal knistert oder knirscht oder so, dann ist das einfach ein Zeichen unserer Emanzipation. (Gelächter.)Ja, ich meine, das passt ja auch überhaupt nicht zu euch, dieses Glattgebügelte…Phil: Nee. Der hat halt mehr auf dieses Popding gehen wollen. Wir wollten dieses Popding weiter unten halten, Noise draufsetzen, dass es dich nicht gleich anspringt, dass du dir die Dinger ein paar Mal anhören kannst und immer neue Sachen erkennen kannst. Wir wollten den Leuten nicht gleich vor die Nase setzen, was sie hören sollen. Er schon und er hat sehr viele Noise-Parts rausgelassen, sehr viele Gitarren-Parts rausgelassen und er hat gemeint so könnten wir das nicht machen. Deswegen haben wir es einfach selber gemacht.Richtig so, finde ich gut. Welcher Song ging euch denn letztendlich am schnellsten von der Hand und welcher hat euch am meisten Kopfschmerzen bereitet?Phil: Also Death of Eve ging extrem schnell.Izzy: Abgesehen davon, dass er zehn Minuten geht…Phil: Ja, also wenn man mal bedenkt, dass er zehn Minuten geht, relativ viele Gitarren drauf hat, relativ viele verschiedene Gitarrensounds drauf hat, dafür ging er verdammt schnell. Was so ein bisschen ein zähes Ding war, war Stay. Wir wussten nicht, wie schnell wir ihn einspielen sollten, wie langsam wir ihn einspielen sollten. Als wir ihn aufgenommen haben, waren wir uns einfach nicht sicher, was wir mit dem Song wollen. Wir spielen ihn live jetzt auch schneller, ehrlich gesagt. Auf der Platte ist er grooviger als live. Und das hat gedauert, wir haben verschiedene Geschwindigkeiten ausprobiert und so weiter und das hat ziemlich gedauert.HP: Und Can’t Make You Smile.Phil: Oh ja. Das ist der Bonustrack. Der hat auch so lange gedauert, weil wir alles viel zu laut aufgenommen haben. Das heißt, das ist uns beim Mischen dann um die Ohren geflogen.Das war dann doch zu viel…Phil: Ja, ein bisschen. (lacht) Aber jetzt ist er genau richtig, so laut wie er sich anhört.Ein Album habt ihr jetzt ja auch schon in Planung, habt ihr dazu auch schon etwas zu erzählen? Das nehmt ihr dann wahrscheinlich auch selber auf, oder?Phil: Ja, das wird von uns selber aufgenommen. Wieder in unserem Studio, Proberaum/Studio, wird das alles selber aufgenommen. Zehn Songs, elf Songs, wissen wir noch nicht genau. Alle Songs sind aufgenommen, bei zwei Songs fehlt der Gesang noch. Jetzt werden sie noch fertig gemischt werden, das machen wir auch selber, und zum Mastern schicken wir sie dann mal schauen wohin.Sie klingt auf jeden Fall anders als die EP. Scott [Causer, Northern Star Records] hat gemeint sie klingt zehn Schritte vorwärts reifer.HP: Also „reif“ wäre auch das Wort, das mir eingefallen wäre. Es hört sich reif an, also erwachsener.Phil: Ja, wie gesagt, die My Beatific Vision EP war sehr jugendlich, sehr jugendliche Herangehensweise. Keinen Kopf gemacht um nichts, einfach „Zaaack!“Also mehr so eure Sturm und Drang Phase und jetzt geht’s mehr in Richtung…?HP: Kuschelrock!Izzy: Romantik! (lacht)Romantik?! Nein, Klassik!Phil: Neoklassizismus! Nein, es ist immer noch sehr extrem… Es ist nicht so als wenn man sagen müsste wir wären brav geworden. Wir haben einfach viel mehr Möglichkeiten gefunden, das zu tun was wir wollen. Bei My Beatific Vision haben wir manche Sachen nicht hingekriegt, die wir machen wollten, weil das einfach unsere Lehrphase noch war. Wir haben einfach mal alles laut gemacht und…HP: … auf die Fresse!Phil: Und jetzt ist es vielleicht ein bisschen vielschichtiger aber trotzdem noch genauso extrem. Wir haben das Extreme beibehalten, dafür kommt jetzt noch Vielschichtigeres dazu. Und das meint er vielleicht mit „reif“.Letztendlich haben wir es ja gerade schon ein bisschen angesprochen, aber Folgendes: Bei euch geht es ja doch ziemlich laut zu, ist das bei den Sachen die ihr privat so hört anders oder auch so in die Richtung?Phil: Bei mir ist das schon so, dass ich extrem breitgefächert höre, nicht nur Sachen, die extrem laut sind.(Im Folgenden nennen die Drei viele unterschiedliche Bands, die sie gerne hören, von The Jesus and Mary Chain und Joy Division über neuere Bands wie Ceremony, Screen Vinyl Image, Bloody Knives hin zu Oasis, Richard Ashcroft, Tame Impala, PJ Harvey oder auch Coco Rosie, also wirklich breit gefächert.)Könntet ihr euch also vorstellen mal ein absolutes Kontrastprogramm zu fahren und ein Akustikset zu spielen? Oder wäre das für euch zu langweilig?Phil: Nee, langweilig auf keinen Fall.Izzy: Was mach ich denn dann?! (lacht)Hmm, Percussion?Phil: Ich könnte es mir vorstellen, würde es aber in naher Zukunft nicht tun. Ich habe schon mal einen Song von uns komplett ohne Fuzz, ohne Verzerrer aufgenommen, also nur mit Reverb, Delay und so weiter, was sich glaube ich gut angehört hat.HP: Ich fand’s super…Phil: Aber wir haben jetzt nicht vor, in die Richtung was zu machen. Ich würd’s aber auch nicht ausschließen, aber jetzt in naher Zukunft nicht.Welche war denn bisher so die interessanteste Show, die ihr gespielt habt? Gab’s da irgendwie mal was ganz Ausgefallenes?Phil: Jede Show ist irgendwie anders halt. Jede Show hat irgendwie ihr Ding gehabt, auch wenn wir danach mal gesagt haben „Hm, das war irgendwie seltsam“. Aber das war es immer wert. Auch wenn wir mal nur vor zehn Leuten spielen oder so, kann es sein, dass es unsere Lieblingsshow war. Wir fahren einen ziemlich lauten Bühnensound auf, das heißt das reagiert auch sehr auf was für einer Bühne wir stehen, wie der Club aussieht… Man kann es eigentlich kaum vergleichen. Schwer.HP: So geht’s mir auch. Was halt auch wirklich überraschend ist, ist wenn man vor fünfzehn Leuten steht, dass man trotzdem über sich hinauswächst. Manchmal, wo man denkt „Das war super!“, vielleicht wäre es gar nicht so gut gewesen, wenn fünfhundert Leute vor uns gestanden hätten. (lacht) Es ist wirklich schwer, mir fällt jetzt auch kein konkreter Auftritt ein, wo ich sagen würde „Das war der Auftritt!“…Phil: Italien jedoch war krass, weil die uns behandelt haben wie Rockstars.Izzy: Ja, mit Absperrgitter!Phil: Ja, Absperrgitter, ein Zwei-Gänge-Menü backstage… Sie haben uns behandelt wie Rockstars auf jeden Fall. Das war irgendwie… seltsam.HP: Seltsam, aber nett! (lacht)Eine Frage habe ich an dich noch, als weibliche Schlagzeugerin. Ich finde das immer sehr cool, vor allem nachdem ich dich jetzt gesehen habe, sehr klein, was da für ein Rumms raus kommt. Hast du auch das Gefühl, dass es mittlerweile eine Entwicklung ist, dass sich doch mehr Frauen hinter das Schlagzeug setzen? Und wie bist du selbst dazu gekommen? Das würde mich auch noch interessieren.Izzy: Ich weiß gar nicht mehr, wie ich dazu gekommen bin. Ich hatte irgendwann halt Bock drauf und hab gesagt „Hey, ich will nicht mehr Flöte spielen!“ (lacht) Keine Ahnung… Ich selber merke, klar, bei größeren Bands kann es sein, dass mehr Frauen dazukommen. Aber so, wenn wir spielen, wir haben noch nie mit einer Band zusammen gespielt, auch nicht als ich Punkrock gespielt habe, wo irgendeine Frau am Schlagzeug war. Ich war immer die Einzige. Wenn mal eine Frau dabei war, dann hat sie gesungen oder vielleicht auch mal Gitarre oder Bass gespielt. Ich selbst merke das eigentlich also nicht so. Im Großen ja, vielleicht, aber sonst noch nicht…Also mehr Frauen ans Schlagzeug?Izzy: Joa, wenn sie’s können. (lacht)Letzte Frage: Wie geht’s euren Ohren?Phil: Gut, danke.Ja?HP: Ja, sicher, klar.Phil: Ich glaube man kann für eine gewisse Zeit am Stück extreme Lautstärken aushalten.HP: Manchmal braucht man das auch, habe ich gehört.Phil: Ja, bei mir ist das so, das hört sich jetzt wahrscheinlich total blöd an, aber, wenn ich starke Kopfschmerzen hab, dann hör ich mir manchmal die Psychocandy von The Jesus and Mary Chain an, extrem laut, dass sich das richtig in dein Gehirn reinsetzt…Einmal durchpfeifen…Phil:… und dann ist wieder gut, wirklich. Auch bei Proben, wir spielen extrem laut, wir spielen laut im Proberaum, wir haben auch Leute, die vorbeikommen in Proberaum. Aber wir haben eigentlich keine Probleme mit dem Gehör, glaube ich.Izzy: Danke der Nachfrage! (lacht)BandpageFacebookDas Album Sin And Lostness bekommt ihr bei Northern Star Records:http://www.northernstarrecords.com

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